Quelle: KI-generiertes Bild, erstellt mit ChatGPT (OpenAI), 2026
Peet-To-Peer-Verträge zwischen Marktinnovation und Systemrealität
Position – Disruptives Marktdesign
Argumentationslinie:
P2P-Verträge untergraben die klassische Rollenverteilung des Strommarkts (Erzeuger → Lieferant → Kunde).
Strom wird nicht mehr anonym über Märkte verteilt, sondern gezielt sozial, räumlich oder vertraglich zugeordnet.
Was tatsächlich disruptiv ist:
- Aufteilung der physischer Lieferung auf mehrere wirtschaftliche Akteure → Strom fließt physikalisch gleich, wird aber ökonomisch anders verteilt. Dasselbe gilt auch für Energiegemeinschaften.
- Aktive Kunden werden zu Marktakteuren (wenn auch begrenzt) → Preis, Partner und Zweck des Stroms werden wählbar.
- Lokale Wertschöpfung wird explizit sichtbar → Nicht nur „woher kommt der Strom“, sondern „wem nützt er“.
Diese Regionalität wird auch durch reduzierte Netztarife subventioniert, wobei der Begriff „Nahebereich“ sowie die Höhe der Subvention noch nicht final definiert wurden.
In dieser Lesart ist P2P kein Produkt, sondern ein Paradigmenwechsel:
vom anonymen Massenmarkt zum beziehungsbasierten Energiemarkt.
Aber:
Diese Disruption bleibt systemisch kontrolliert:
- keine Aufhebung von Netzbetrieb, Bilanzierung, Systemverantwortung,
- keine Abschaffung von Lieferanten,
- keine freie Preisbildung ohne regulatorische Leitplanken.
Fazit:
P2P ist konzeptionell disruptiv, aber operativ domestiziert.
Es verändert wer entscheidet, nicht wer verantwortlich bleibt.
Position – Bürokratiemonster
„P2P ist ein Bürokratiemonster und wirtschaftlich nicht skalierbar“
Argumentationslinie:
P2P erzeugt zusätzliche Rollen (Organisator), Verträge, Abrechnungslogiken, IT-Schnittstellen, Informationspflichten – bei gleichzeitig geringer Energiemenge.
Was daran nicht von der Hand zu weisen ist:
- Hoher Koordinationsaufwand → Messung, Zuordnung, Clearing, Information, Abrechnung.
- Mehrschichtige Regulierung → ElWG, Marktregeln, Datenschutz, Steuerrecht, Konsumentenschutz.
- Begrenzte wirtschaftliche Hebel → restliche Netzentgelte, Abgaben und Steuern bleiben dominant.
- Mehraufwand für Stromnetzbetreiber → Mehrkosten müssen kompensiert und auf weniger Kunden aufgeteilt werden.
-
Dieses Argument verkennt zwei Punkte:
- Der Aufwand ist nicht Selbstzweck, sondern der Preis für Marktzugang ohne Lieferantenpflicht.
- Bürokratie ersetzt hier Marktmacht → statt großer Akteure regelt der Rechtsrahmen Fairness und Systemschutz.
Fazit:
P2P ist komplex, aber nicht ineffizient – es ist regulatorisch teuer, um systemisch billig zu bleiben.
Die fachlich belastbare Mittelposition
(und wahrscheinlich die richtige)
P2P ist kein neues Strommarktsystem, sondern ein Ergänzungsmodul. Weder revolutioniert P2P den Strommarkt vollständig, noch ist es ein reines Bürokratieprojekt ohne Nutzen. Sachlich treffender ist: P2P ist ein präzises Werkzeug für klar definierte Anwendungsfälle.
Wo P2P sinnvoll ist:
- Quartiere, Gemeinden, Areale
- Produzenten-Verbraucher-Beziehungen mit sozialem oder strategischem Mehrwert
- Kombination mit Energiegemeinschaften, Flexibilitäts- und Speicherstrategien
- Bewusste Kunden, nicht anonyme Massenmärkte
-
Wo P2P nicht funktioniert:
- Als Ersatz für den Großhandelsmarkt
- Für reine Kostenoptimierung ohne ideellen oder strategischen Nutzen
- Ohne digitale Mess- und Abrechnungsinfrastruktur
P2P ist weder die Revolution des Strommarkts noch ein regulatorischer Irrweg. Es ist der Versuch, Markt, Technik und gesellschaftliche Erwartungen neu auszubalancieren – und genau deshalb politisch, ökonomisch und systemisch umkämpft.
Erfahren Sie mehr!
Mehr zu diesem Thema und den gesamten Beitrag finden Sie in der ENERGIE im FOKUS Ausgabe 01 | Februar 2026.
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