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Quelle: Michael Stadler, Xendee, 2026

Microgrids: Vom Buzzword zur wirtschaftlichen Realität

von | 22. Feb. 2026 | Allgemein

Microgrids gelten oft als Zukunftsthema – dabei sind sie in vielen Fällen längst Realität. Im Gespräch erklärt Michael Stadler von Xendee, warum dezentrale Energiesysteme gerade jetzt an Bedeutung gewinnen und was es braucht, damit sie nicht nur technisch funktionieren, sondern auch wirtschaftlich skalieren.

Standardisierung als Schlüssel

Xendee verfolgt eine klare Mission: dezentrale Energieversorgung planbar und in großer Anzahl umsetzbar machen. Stadler bringt es auf den Punkt: „Wenn man es ernst meint mit der großen Anzahl der Projekte, dann sollte man das standardisieren … damit es auch in großen Mengen funktioniert und auch Gewinne abwirft.“

Damit grenzt sich Xendee von vielen Ansätzen ab, die stark auf individuelle Planung oder Excel-Modelle setzen. Ziel ist Vergleichbarkeit – und eine Plattform, die unterschiedliche Technologien gemeinsam abbilden kann: von Photovoltaik und Speichern über Elektromobilität bis hin zu Wärme und Kraft-Wärme-Kopplung.

Microgrids sind of näher als gedacht

Ein wichtiger Punkt: Viele betreiben bereits Microgrids, ohne es so zu nennen. „Sobald ich bei meiner Photovoltaikanlage einen Speicher habe und mich vom Netz entkoppeln kann, wenn ich das will, habe ich eigentlich schon ein Microgrid“, sagt Stadler. Entscheidend ist die Kombination aus lokaler Erzeugung, Speicherung und Nutzung.

Wirtschaftlichkeit: Industrie und Rechenzentren vorne

Besonders attraktiv sind Microgrids laut Stadler dort, wo Energiebedarf, Kosten und Versorgungssicherheit eine große Rolle spielen – etwa in der Industrie oder bei Rechenzentren. Letztere werden zunehmend zum Treiber, weil Netzanschlüsse und Netzausbau vielerorts zum Engpass werden.

Stadler beobachtet hier einen entscheidenden Trend: „Wir [sind] an einem Tipping Point … wo … der Netzausbau mittlerweile ein bisschen teurer ist als lokale Energiesysteme bzw. Microgrids.“ Damit verschiebt sich die Logik vieler Projekte: weg vom reinen Anschlussdenken, hin zu lokalen Lösungen, die Netze entlasten.

Systemintegration beginnt im Kopf

Warum klappt die Umsetzung oft nicht schneller? Stadler sieht das Problem nicht zuerst in der Technik, sondern in der Denkweise: „Es scheitert … beim Denken, wie man die Systeme integriert.“ Noch immer würden Strom, Wärme, Mobilität und Speicher häufig getrennt betrachtet – obwohl gerade die Kombination den Mehrwert schafft.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Datenqualität. „Wenn man schlechte Daten hat, dann erhält man schlechte Ergebnisse“, sagt Stadler. Gerade bei Energiegemeinschaften sieht er, dass oft Förderlogik vor technischer Planung stand – und Lastdaten erst im Nachhinein sauber erhoben werden. Das kann dazu führen, dass der Business Case erst Jahre später überprüfbar wird.

Regulierung als Bremse

In Österreich sieht Stadler auch regulatorische Hürden – insbesondere durch die Trennung von Netz und Energie. „Das Netz sagt, mich geht die Energie nichts an, aber mich geht die Leistung was an“, beschreibt er das Spannungsfeld. Für echte Systemintegration brauche es hier bessere Rahmenbedingungen.

Ausblick: Scheideweg für Europa

International wachsen Microgrids stark. Ob sie sich in Österreich rasch durchsetzen, hängt laut Stadler von Netzdruck, Kostenentwicklung und politischen Entscheidungen ab. Klar ist: „Wir sind jetzt gerade am Scheideweg.“

Fazit

Microgrids sind mehr als ein Trend – sie werden zunehmend zu einer wirtschaftlichen und strategischen Antwort auf Netzengpässe, Elektrifizierung und volatile Energiepreise. Entscheidend sind Standardisierung, gute Daten und ein integrierter Blick auf das Energiesystem.

Erfahren Sie mehr!

Mehr zu diesem Thema und den gesamten Beitrag finden Sie in der ENERGIE im FOKUS Ausgabe 02 | März 2026.

Über den Autor

DDI Manuel Artz, Geschäftsführer Artz Energie Service GmbH

„Energie“ ist meine große Leidenschaft.

Ich habe diese Handelsagentur gegründet damit Energiebereitsteller und Energiebezieher auch abseits der konventionellen Wege Energie zu fairen Preisen beziehen bzw. vermarkten können.

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